Manuelle Lymphdrainage (MLD)

Die Komplexe Physikalische Entstauungstherapie (auch KPE genannt) wurde bereits in den 50er Jahren durch Professor Vodder in Österreich entwickelt und später von Professor Földi und Professor Asdonk weiterentwickelt. So ist man heute in der glücklichen Lage zu wissen, was durch die Behandlung im Körper der Physiotherapie-Patienten vorgeht.

Behandelt werden mit der KPE alle Formen von gefäßbedingten Erkrankungen mit Ödembildung, zum Beispiel angeborene, traumatische, postoperative, venöse und Lipödeme, herz- und nierenbedingte Ödeme. Sie stellen, besonders wenn sie im Knöchelbereich auftreten, eine Kontraindikation zu KPE dar, da sie aus einer Überlastung der genannten Organsysteme herrühren und dies zum Kollaps führen kann.

Die KPE hat vier Bestandteile: Manuelle Lymphdrainagemassage, Kompression, Bewegungstherapie und Hautpflege. Und was beinhalten die vier Behandlungsteile der KPE? Mit der Lymphdrainagebehandlung wird die Lymphe (bestehend aus eiweißreicher Flüssigkeit) aus der gestauten Körperregion in gesunde ödemfreie Gebiete verschoben. Dazu benutzt man gezielte Grifftechniken, die von den Therapeuten in speziellen Kursen erlernt und zum Schluss mit einer Zertifikatsprüfung abgeschlossen werden müssen.

Die Krankengymnastik dient dem Anregen einer gezielten Muskelpumpfunktion zum Entleeren der gestauten Gefäße. Mit der Kompressionstherapie in Form von Bandagen oder Kompressionsstrümpfen werden in den Gefäßen befindliche Venen-und Lymphklappen geschlossen, damit die Arbeit der Muskulatur wirkungsvoller ist. Zuletzt die Hautpflege. Sie ist wichtig, um die Haut vor dem Eindringen von Erregern zu schützen, die ansonsten zu schweren Entzündungen (Erysipel oder Wundrose genannt) führen und die Ödemsituation erheblich verschlechtern würden.

Die KPE ist eine Zweiphasentherapie. In der ersten Phase wird täglich die komplette vierteilige Behandlung angewandt. Ist das Ödem weitgehend beseitigt, werden Kompressionsstrümpfe angemessen und die zweite Phase kann bei weiterem Bedarf starten. Dann wird massiert, die Haut gepflegt, Strümpfe angezogen und Gymnastik gemacht. Schwimmen, Wandern, Walken und Gymnastik sind einige geeignete, unterstützende Freizeitsportarten.

Patienten mit Lymphödemen sollten sich vor Verletzungen (Messerschnitte, Tierkratzer, Bisse), Überanstrengung, Hitze (Sonnenbrand, Sauna, Solarium), Krafteinwirkung (Blutdruckmessen), Unterbrechung der Zirkulation (zu enge Kleidung, Uhren, Ringe) und Insektenstichen vorsehen.

Vorsicht sollte auch bei der Fuß- und Fingernagelpflege gegeben sein. Zur Hautpflege eignen sich sauer gepuderte Hautsalben oder spezielle Lymphsalben aus der Apotheke, um den Säureschutzmantel der Haut weitestgehend zu erhalten und Rissen vorzubeugen.

Manuelle Lymphdrainage/KPE ist nach Stellung der entsprechenden Diagnose durch den Arzt, unter Ergänzung der vom Therapeuten anzuwendenden Behandlungszeit 30, 45 oder 60 Minuten ein verordnungsfähiges Heilmittel. Die Mitarbeit des Patienten ist dabei von großer Bedeutung. Regelmäßige Umfangsmessungen durch den Therapeuten dokumentieren den Behandlungsverlauf.

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